Thursday, September 21, 2006

Schweigen


Ich habe diese Tage die Akten studiert, welche den Zwist in der Familie dokumentieren.   Ich frage mich schon seit längerer Zeit, wie es dazu kommen konnte, dass sich Brüder seit Jahrzehnten aus de Wege gehen, keinerlei Kontakt mehr miteinander haben und so weit gehen die Nachkommen in ihren Hass einzuschliessen.

Ganz sicher ist da das schlechte Gewissen.  Lieber sich in eine Geschichte verbohren, an ihr festhalten, auch wenn sie jeglicher Grundlage entbeert, als zugeben, dass man selbst Fehler gemacht hat.

Schon bevor es Blogger gab, habe ich meine Meinung kundgetan.  Ich habe meinen Brüdern meine Meinung gesagt und sie offenbar und sicherlich vor den Kopf gestossen.  Man mag es nicht, den Spiegel vorgesetzt zu bekommen. Ich hatte meinem Bruder offen gesagt, was ich von seinem Handeln denke.  Er hat es sicher nicht geschätzt.  In meiner Wut über die Nichteinhaltung der Vereinbarungen, liess ich mich sogar überreden, an die Presse zu gehen.  Am schlimmsten mag wohl gewesen sein, dass unsere Mutter alles weiterplauderte, was man ihr mitteilte und damit noch Öl ins Feuer gegossen hat.  Besser wäre es gewesen, zu schweigen.  



Tuesday, September 19, 2006

Streit

Seit dem Tod von meinem Bruder «J» ist alles wieder aufgebrochen. Er ist von uns gegangen, ohne sich die Mühe zu nehmen, sich von begangenem Unrecht zu erlösen. Es heisst, dass wenn man den Tod vor Augen hat, man Ordnung in sein Leben bringen will. Nicht so «J».
Sicherlich haben sich die beiden Brüder, welche mich mit Schimpf und Schande verunglimpft hatten, um ihre eigenen Schandtaten zu rechtfertigen, bald einmal selbst an ihre Geschichten geglaubt. Damit kann man sein schlechtes Gewissen beruhigen. Aber im Angesicht des Todes wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass solche Lügereien vergessen werden und dass man Vergebung sucht.

«J» ist der eigentliche Nutzniesser vom Diebstahl, welcher meine Mutter begangen hat. Ich habe die Akten im Keller durchgesehen, welche meine Eigentumsansprüche belegen. Ich bin bestürzt über all diesen Streit, all diese Gerichtsverfahren und falschen Anschuldigungen. Welcher Verlust an Energie, Zeit und Geld. Anwälte und Richter mussten sich über Seiten von Eingaben wälzen, in denen es um nichts anders, als um einige Gegenstände ging, welche die alte böse Frau mir noch entreissen wollte, mit keinem anderen Grund, als dem Willen, mir zu schaden und mich zu ärgern. «J» hat das als Beirat alles mitgetragen. Schande für diese Familie!

Monday, September 11, 2006

JM

Mein Bruder ist tot. Am 4. September ist er nach längerer Krankheit gestorben. Die Trennung ist nun definitiv. Bis jetzt hätten wir die Chance gehabt, das zerschlagene Geschirr wieder zu kitten. Er ist gegangen, ohne Ordnung zu machen, ohne den Versuch zu unternehmen, ein offenes Kapital abzuschliessen.
Seit 24 Jahren haben wir uns nicht mehr gesehen. Schon in den 10 Jahren davor, war das Verhältnis nicht das Beste gewesen. Sonderbar, ich könnte schwören, dass er nicht einmal mehr wusste, warum es soweit gekommen ist. «J» war mein Bruder und ich trauere um ihn. Natürlich kann ich nicht vergessen, dass er keinerlei Dankbarkeit für meine Grosszügigkeit bei der Erbteilung gezeigt hatte. Natürlich kann ich nicht vergessen, dass er hinter meinem Rücken mithilfe der Mutter mein Haus ausräumte und sich bediente, ohne zu fragen. Natürlich kann ich nicht vergessen, dass er die Mutter gegen mich aufstachelte, oder zumindest nichts gegen deren Eifersucht unternahm. Er hat sich sogar als ihr Beirat ernennen lassen, um sie besser kontrollieren zu können. Auch später, als er mit «R» zusammen Kasse machte, wollte er sich nicht an die bestehenden Verträge halten. Als ich mein Recht einforderte, wurde ich verunglimpft. Noch schlimmer erscheint auch die Tatsache, dass er die Objekte und Bilder, welche mir meine Mutter gestohlen hatte, bei sich an der Wand hängte und jeden Tag seine Niedertracht vor Augen hatte, ohne jegliche Scham oder ohne Bedürfnis, das Unglaubliche zu korrigieren.

In der Todesanzeige heisst es, ein feiner Mensch sei von uns gegangen. «J» war für mich ein Fremder geworden. Ich kann mich nur noch an die Jugend erinnern, als er weich, verspielt und passiv war. Er war kein Intellektueller, interessierte sich nur für Autos, hatte Mühe, sich korrekt auszudrücken. Ohne den Vater im Rücken, und den starken Bruder, wäre wohl kaum viel aus ihm geworden. Aber «J» liebte das Leben, schöne Autos, Gemütlichkeit und Geselligkeit, Whiskey und Wein. Das ist wohl, was bei mir in Erinnerung bleiben wird. Was er seit 24 Jahren gemacht hat, weiss ich nicht. Ich kenne weder seinen Sohn, noch seine zweite Frau. Offenbar ist er ein feiner Mensch geworden. Sein Bruder «R» sah das anders.