Tuesday, March 24, 2009

Gewissen

Der einzige moralische Wertmassstab für den Menschen ist das eigene Gewissen. Wenn Menschen ein Leben lang an einer Lüge festhalten, dann geschieht das, um das eigene Gewissen zu beruhigen. Die Lüge bringt ihnen Ruhe. Dadurch, dass sie lügen, beweisen sie, dass sie Unrecht begangen haben.

Fremde Federn

Auch Leute, welche einiges geleistet haben und auf ihre Karriere stolz sein könnten, empfinden offenbar das Bedürfnis, sich mit fremden Federn zu schmücken. So muss der Erbe offenbar die familiäre Anfangshilfe negieren und es muss unbedingt eine Tellerwäscher-Karriere präsentiert werden.
Kürzlich wurde ich auf die neue Homepage der Firma meines Vaters aufmerksam. Darin gibt es eine Firmengeschichte. Wie es zu erwarten war, ist diese ein Loblied der Leistungen des jetzigen Präsidenten. Sein Bruder, welcher immerhin während 25 Jahren zur Seite stand, wird mit keinem Wort erwähnt und er Vater nur kurz.

Dass es sich bei dem heute beachtlichen Konzern alles um Zukäufe handelt, finanziert mit der vom Vater erarbeiteten Substanz, geht in keiner Weise hervor. Immerhin ist es eine Erfolgsgeschichte, und wenn man von den Schattenseiten dieses Erfolges nichts weiss, könnte der Präsident durchaus stolz auf seine Leistung sein.
Doch er ist ein Vertreter der heutigen Management-Generation. Mehrwert wird nicht mit Produkteinovation und Marktleistung geschaffen, sondern mit Finanzspekulationen. Die zugekauften Firmen wurden des Öfteren sehr schlecht gemanagt, es war einfach zu wenig Know-how vorhanden. Heute scheint sich die Gruppe konsolidiert zu haben, was man auch aus der Entwicklung des Aktienkurses ersehen kann.

Leider hatte der Präsident nie die Grösse, sein Ego etwas zurückzustecken und sich an die üblen Tricks der Anfänge seiner Laufbahn zurückerinnern. Möglich wurde diese nur durch meine Ausbootung. Es hätte durchaus Wege gegeben, seine Erfolgsgeschichte ohne Makel abzuwickeln. Aber der Präsident hat seine Familie dazu benutzt, ihm als Sprungbrett zu dienen, er hat betrogen und gelogen, um seine Ziele zu erreichen.
Es hilft ihm wenig, dass er nach wie vor auf die Unterstützung der Mutter zählen kann. Sie ist dermassen elitär und davon überzeugt, dass der Erfolg die Mittel rechtfertigt, dass sie es gar nicht mehr wahrnimmt, dass ein solcher Erfolg wohl kaum als lobenswert bezeichnet werden kann. Zu sehr gleichen sich die beiden. Schon der Grossvater hatte krumme Touren gemacht, um seine Finanzen zu verbessern. Wenn auf der väterlichen Seite sehr grosszügig und bisweilen leichtfertig mit den Finanzen umgegangen wurde, war man auf der mütterlichen Seite eben sehr geldorientiert und war bereit, dafür auch einmal ein Auge zuzudrücken.
Beide scheuen sich auch nicht davor zurück, schamlos zu lügen, wenn es der Sache dient. Auch vor Gericht wurde beispielsweise noch behauptet, die Firma sei eine Gründung des Präsidenten. Jetzt steht in der Homepage und in der Bilanz plötzlich, dass diese Firma vom Vater gegründet worden war, allerdings nur, um die Vorgeschichte gleichzeitig herunterzuspielen. Das Gleiche behauptete die Mutter, als sie in einem anderen Gerichtsverfahren behauptete, sie hätte den ganzen Hausrat ihres Hauses als Aussteuer mitgebracht und gleichzeitig im Prozess gegen ihren Bruder behauptete, sie sei mit leeren Händen in die Ehe gegangen.

Wer lügt, hat etwas zu verbergen und ist sich selbst bewusst, dass seine Sache mit objektiven Argumenten nicht zu gewinnen ist.

Brüder

Seit über 30 Jahren sprechen wir nicht mehr miteinander. Der Eine ist bereits dahin gegangen, ohne die Situation bereinigen zu wollen. Nicht nur die Brüder schweigen, auch ihre Frauen und Kinder haben nie den Versuch unternommen, einen Kontakt wieder herzustellen.
Es ist schon so lange her, dass ich gar nicht mehr weiss, was uns eigentlich entzweit hat. Lange habe ich angenommen, dass meine Mutter in der Folge meiner Heirat Zwietracht gesät hat. Das mag sicherlich stimmen, doch bevor ich begonnen hatte, für mein Erbe zu kämpfen, bevor ich gemerkt hatte, dass ich hereingelegt und ausgenutzt worden war, bevor ich feststellen musste, dass mein Haus geplündert wurde, meine Mutter «R» ihr Vermögen verschenkte, bevor ich das Doppelspiel von «R» durchschaut hatte, da hatte ich geheiratet und meine Brüder sind schon damals nicht erschienen. Aufgrund dieser Tatsache erscheinen all die später konstruierten Vorwürfe gegen mich in einem anderen Licht und werden als reine Schutzbehauptungen entlarvt.

Mutter

95 Jahre alt ist sie nun. Seit 1983 haben wir uns ein einziges Mal gesehen, vor 12 Jahren.
Niemand kann diesen Bruch verstehen und alle raten mir, den Kontakt mit meiner Mutter wieder herzustellen. Vor 12 Jahren bereits und später aus einer Korrespondenz mit meinem Bruder musste ich jedoch feststellen, dass sie völlig festgefahren ist in ihren elitären und selbstgerechten Mythen. Den Boden der Realität hat sie längst verloren. Einen Schritt in ihre Richtung würde nur nochmals mit Enttäuschungen und mit Ärger verbunden sein.
Es würde lediglich dazu dienen, mir eine Beruhigung für ein allfällig schlechtes Gewissen zu liefern. Das habe ich jedoch nicht, denn ich hab einen unmenschlich hohen Preis bereits bezahlt für mein ihr entgegen gebrachtes Vertrauen und meine gelegentlich undiplomatischen Äusserungen.