Friday, March 23, 2007

RM

Nach dem Tode des Vaters war ich erstaunt, wie schnell Reto Meier sich an seine neue Situation des Befehlenden angepasst hatte. Eine solch schnelle Integration in die Rolle des Firmenchefs konnte nicht von ungefähr kommen. Schon immer war RM von sich selbst sehr überzeugt, obwohl er als einzige Schwäche immer seine delikate Gesundheit zugab, oder zumindest simulierte. Sonst musste alles nach seinem Willen gehen – er sei eben ein Steinbock, und diese seien hartnäckig. Diese Hartnäckigkeit und dieses Besserwissen hat er dann auch im Umgang mit Menschen bewiesen. Sogar Christoph Blocher, welcher einige Zeit lang in seinem Verwaltungsrat sass, musste sich daran stossen.

Reto Meier macht keine Kompromisse, wer sich ihm in den Weg stellt, wird eliminiert. Er schaut zwar, dass er sich seine Hände nicht schmutzig macht, dafür hat man andere – er kann auch mal Witze machen, um eine festgefahrene Situation zu entkrampfen, aber er beharrt immer auf seinem Kurs. Wenn er sein Ziel auf nicht gerade saubere Art erreichen muss, plagt ihn kein schlechtes Gewissen – lieber redet er sich ein, dass er das Opfer von übler Nachrede sei. Da er sich selbst als Mass aller Dinge sieht, glaubt er auch fest an die faulen Ausreden, welche er sich zusammengezimmert hat, um sein Tun und Lassen zu begründen. Rechtfertigungen sind das nicht, keiner hat das Recht, ihn zu beurteilen. «Ich stehe über dem Gesetz» hat er mir einmal gesagt. Das entspricht genau seinem Charakter. Kein Raubtier hat sich je rechtfertigen müssen, dass es töten muss, um zu überleben.

Das Problem bei ihm ist die Würde, die menschliche Grösse und das Gewissen. Letzteres hat er nicht, die Würde kann man sich mit Geld kaufen und menschliche Grösse wäre es, wenn er derer gedenken würde auf deren Kosten er seinen Weg gemacht hat.

Schade, RM hätte viele Qualitäten, welche man loben könnte, wäre er nicht ein so abgrundtiefer schlechter Mensch.

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